Energiekrise – steigende Gaspreise trotz voller Speicher

Energiekrise – steigende Gaspreise trotz voller Speicher

3. September 2022 0 Von Stefan von aktiengott.de

Die Rohstoffpreise insbesondere für den Energieträger Gas schnellen weiter in die Höhe. Die Energiekrise ist nun endgültig beim Verbraucher angekommen. Aber warum haben wir steigende Gaspreise, obwohl die Gasspeicher inzwischen gut gefüllt sind? Wenn viel von etwas da ist, dann sollten die Preise doch fallen, oder?

Energiekrise – Entwicklung der Gaspreise 

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die benachbarte Ukraine explodieren weltweit die Rohstoffpreise. 

Der Preis für Erdgas hat sich in den vergangenen Monaten vervielfacht. Um über 180 Prozent ist der Preis für Gas von August 2021 bis heute um gut 180 Prozent gestiegen. Auch die Strompreise sind nicht zu bremsen. Aktuell kostet eine Kilowattstunde Gas in Deutschland 28,4 Cent. 

Die hohen Energiekosten sind nicht nur teuer für die Privathaushalte. Insbesondere für die Wirtschaft, die sich aktuell noch erstaunlich gut hält, sind die hohen Rohstoffpreise eine große Gefahr.  Investitionen werden mit steigenden Preisen teurer, bei manchen Unternehmen künftig vielleicht sogar nicht mehr möglich.

Die Gasspeicher füllen sich

Zuletzt war immer wieder von einer großen Gaskrise die Rede. Insbesondere wurde seitens der Politik dazu geraten Energie und damit Gas zu sparen.

Die Gefahr, das das Gas im bevorstehenden Winter in Deutschland knapp wird war real. Nun aber füllen sich die deutschen Gasspeicher schneller als erwartet. 

Der aktuelle Füllstand der Deutschen Gasspeicher betragt inzwischen 82,74 Prozent. Zum Vergleich: noch am 1. Juni betrug der Füllstand der Gasspeicher nur 48,8 Prozent.  Zumindest für die ersten Wintermonate kann hoffentlich Entwarnung gegeben werden. Zumindest droht vermutlich kein Blackout. 

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Aber warum füllen sich die Speicher nun doch schneller als erwartet? Hintergrund ist, dass die Verbraucher, also die privaten Haushalte und auch die Wirtschaft weniger Gas verbrauchen als etwa im Vorjahr. Zum einen liegt das am Verhalten der Verbraucher, zum anderen aber auch am extrem guten Sommer. Und auch ein milder Winter würde uns zu Gute kommen. 

Aber auch der Gaseinkauf hat sich verändert. Inzwischen wird kaum noch Gas aus Russland bezogen. Zum Einen, weil Russland nur noch wenig Gas durch Nord Stream 1 pumpt, zum anderen liegt es aber auch daran, dass die Bundesregierung inzwischen auch LNG Flüssiggas bezieht. Gas zu beziehen ist nicht das Problem. Die Frage ist immer, welchen Preis bezahlt man dafür. 

Warum steigen die Preise für Erdgas trotz der hohen Speicherstände? 

Stromproduktion aus Gas

Ein wichtiger Grund, warum der Preis für Gas trotz der inzwischen relativ gut gefüllten Speicher weiter steigen könnte ist, dass etwa 20 Prozent unseres Stroms in Deutschland mit Erdgas produziert werden. 

Und genau hier rührt das Problem. Denn durch den extrem guten Sommer sind die Pegel der Flüsse und Seen ziemlich schlecht gefüllt. Strom durch Wasserkraft zu gewinnen ist somit schwieriger geworden, teils sogar unmöglich. Auch Strom ist also Mangelware. Der Markt geht schlichtweg davon aus, dass für die Erzeugung von Strom mehr Gas benötigt wird. Das wiederum treibt den Preis. So lange der Markt diese Meinung hat wird der Gaspreis also hoch bleiben, gegebenenfalls sogar weiter steigen. 

Energiekrise - steigende Gaspreise trotz voller Speicher

Gaslieferungen aus Russland

Hinzu kommt das bekannte Problem der nicht mehr zuverlässigen Gaslieferungen durch Russland. Fast täglich erreichen uns neue Meldungen über angeblichen Reparaturbedarf an der Pipeline Nord Stream 1 und einem damit verbundenen Stopp der Gaslieferungen. Ebenfalls ein Faktor der für weiter steigende Gaspreise spricht.

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Atomkraft in Deutschland vor dem Aus

Nicht zu vergessen, dass in Deutschland durch die Energiewende nur noch drei Atommeiler am Netz sind. Diese sollen aber, wenn es dabei bleibt, spätestens Ende des Jahres vom Netz gehen.

Energiekrise- Gefahr für die Aktienmärkte 

Für die Aktienmärkte sind steigende Energiekosten schlichtweg schlecht. Auf kurze Sicht lassen sich erhöhte Preise für Rohstoffe von Unternehmen sicherlich stemmen. Doch die Preise Steigen inzwischen seit Monaten. Ein Ende ist nicht in Sicht. 

Die steigenden Zinsen fallen der Wirtschaft ebenfalls in den Rücken, denn dass macht Investitionen teurer. Nicht jede Firma zahlt ihre Rohstoffkosten in Bar aus der Portokasse, das macht meistens auch wenig Sinn. 

Keine guten Vorzeichen für die Assetklasse Aktien. Das schlimmste könnte uns an den Märkten also durchaus noch bevorstehen. Hoffen wir, dass es nicht so kommt.  

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